Zwei Jahre!
Heute auf den Tag genau vor zwei Jahren ist der tödliche Unfall meiner Mutter passiert.
Vor zwei Jahren war ich Wrack, vor einem Jahr ein Schatten meiner Selbst und heute eigentlich recht guter Dinge.
Die Zeit heilt vielleicht nicht alle Wunden, aber sie läßt sie vernarben.
Ich bin sehr abgestumpft in den letzten zwei Jahren, insbesondere in den letzten Monaten. Und das obwohl ich schon von jeher gefühlskalt war….
Heute habe ich auch endlich die Grabeinfassung bestellt, verbindlich. In den letzten zwei Wochen habe ich mir da vermehrt Gedanken darüber gemacht, war bei einem Grabsteinmetz und sah mir Muster an.
Eigentlich wollte ich darüber einen eigenen Eintrag gemacht haben, verwarf aber den Gedanken wieder. Dafür wird dieser Eintrag etwas länger.
Wie die Einfassung aussehen sollte, wusste ich die ganze Zeit. Ich wusste welcher Stein, welche Fassung, welches Ornament es sein würde. Nichts pompöses, das war nicht die Art meiner Mutter, und es ist auch nicht meine.
So ging ich also, wie gesagt vor gut zwei Wochen, zum in Hofgeismar ansässigen Grabsteinmacher und sah mich um.
Der Chef, Herr Markus Weiland, war zu dem Zeitpunkt leider nicht da, aber der Geselle meinte, er käme in einer guten halben Stunde wieder und wollte wissen, ob er mir weiterhelfen könne.
Ich sagte ihm grob, was ich mir so vorgestellt hatte und er zeigte mir einige Steine, die sie als Muster da hatten. So richtig gefallen hat mir das zwar alles nicht, was ich auch sagte. Und woher kannte ich den Gesellen?! Ich kannte ihn, da war ich mir sicher. Und auch er musterte mich immer wieder, auch er war am grübeln, das sah man ihm richtig an.
Als er mich dann fragte, für welches Grab denn die Einfassung wäre und sagte für die Grabstelle meiner Mutter, Frau Luck, da fragte er mich: „Tom, bist Du es?“.
Es war der Junge der Familie, die in Hofgeismar über uns gewohnt hatten, Benny, gute vier Jahre jünger als ich. Das Eis war endlich gebrochen. Wir wechselten daraufhin vom Thema Grabeinfassungen zu dem Thema was jeder so in den letzten 16 Jahren getan und erlebt hatte, tauschten uns aus, und ich war froh, dass ich doch zu Weiland und nicht nach Bechers bin, diesen Grabsteinmacher hatte mein Vater favorisiert (Sven ist beim Junior Trauzeuge, wenn mich nicht alles täuscht *g*).
Und dann kam Markus Weiland, der Chef, wieder. Benny gleich zu ihm hin und sagte ihm, was ich mir so vorstelle als Einfassung, wir verabschiedeten uns und Benny ging wieder an seine Arbeit.
Er, Markus, machte einen etwas hektischen Eindruck, was mich schon ein wenig störte, muss ich zugeben, aber als ich ihm dann meinen Namen nannte, wurde er schlagartig ruhiger und nahm sich alle Zeit der Welt für mich.
Ob ich den der Tom sei, wollte er wissen, er erinnerte sich an den Jungen der immer hinter der Theke des Senne-Grills umhergesprungen war, obwohl er da nichts zu suchen hatte und natürlich erinnerte er sich an meine Mutter, die Renate wie er sie nannte. Und als er meinte, dass die Hofgeismaraner auch heute noch (16 Jahre später) immer noch von den Hähnchen meiner Mutter schwärmten, habe ich mich gefreut, dass meine Mutter auch so viele Jahre später bei den Leuten immer noch in Erinnerung ist.
Gute drei Stunden sprachen wir miteinander, und nicht nur über die Einfassung, sondern auch über andere Themen, wofür ich ihm sehr dankbar war und bin, was ich ihm auch heute noch einmal gesagt habe.
Warum wir die Beerdigung in Hofgeismar gemacht haben und nicht in Beverungen. Und da sagte ich ihm, dass ich am 1. April 2005 meiner Mutter versprochen hatte, dass wenn sie mal stirbt, sie nicht in Beverungen oder Herstelle beerdigt werden würde, sondern in Hofgeismar. (UNd mir ist es, als wäre es gestern gewesen, wie ich es zu ihr gesagt habe!) Ob ich schon bei Bechers oder einem anderen Grabsteinmacher war, war ich ja nicht, und ich sagte ihm das auch, dass es mich nicht im mindesten interessiere, ob Bechers billiger sind und der Beverunger Baumarkt könne mir gestohlen bleiben. (Zum Thema Grabmale Becher werde ich aber noch einmal einen Eintrag im Blog machen, sobald ich das Angebot von denen habe, dazu aber dann in dem eigenen Eintrag mehr!)
Roter-grau-schwarzer Granit, mit einem stehenden Grabstein, ein Meter lang und 70 cm hoch, das war es, was ich wollte, das war es auch dann, was er mir angeboten hat. Pauschal bekam ich, nein eigentlich bekam ihn meine Mutter, einen Preisnachlass von 400 Euro. Das schriftliche Angebot, wollte er mir in den nächsten Tagen zukommen lassen.
Als ich mich von ihm verabschieden wollte, fiel mein Blick auf eine leicht beige Säule, und ich fragte, was das für ein Stein sei.
Weser-Hartsandstein, grau, meinte er.
Der Stein gefiel mir, er gefiel mir sogar besser als der bereits besprochene Granit und so bat ich ihn, mir ein Alternativangebot, eben mit dieser Sorte Sandstein, zu unterbreiten. Da lachte er und meinte, da kommen Bechers aber nicht besonders gut dran an den Stein. Fünf Tage später lag dann das schriftliche Angebot von ihm vor und heute bin ich mit meinem Vater hin, damit er sich die beiden Steinsorten mal ansehen kann.
Auch er entschied sich für den Sandstein, er hat ihm wohl wirklich sehr gut gefallen. Markus, mein Vater und ich klärten nur noch einige Kleinigkeiten, Form des Steines und Schriftart und dann verabschiedeten wir uns wieder. Die Fassung wird innerhalb der nächsten 8 Wochen aufgestellt, den genauen Termin teilt er mir noch mit.
Benny und ich wollen in Zukunft Kontakt bleiben, wie ich mittlerweile erfahren habe geht es seiner Mutter nach zwei neuen Herzklappen, drei Bypässen und dem Warten auf ein neues Herz auch nicht wirklich gut….