Endstation

Ich hab nen Arbeitskollegen, ein sympathischer Kerl. Ein Zitat wird mir immer in Erinnerung bleiben: ‚Wir machen das jetzt so, wer etwas dagegen hat kann das gerne mit mir ausdiskutieren.‘. Der Spruch wurde für mich zu nem beruflichen Lebensmotto.

Damit hatte er quasi die Rolle des Rudelführers übernommen und als stellvertretender Rechenzentrumsleiter uns immer den Rücken frei gehalten. Zu seinen Schwächen, die aber auch Stärken sind zählt, dass er der emotionsloseste und sachlichste Mensch ist, den ich je kennengelernt hab. Wir übrigen Kollegen haben uns des öfteren gefragt, wie er zwei Kinder zustande bekommen hat, aber das ist ein anderes Thema.

Wir waren nie wirklich befreundet, hatten aber schon die gleiche Wellenlänge, ich war mal bei ihm privat daheim, wir haben Fahrgemeinschaft gemacht, waren im Kino, haben telefoniert, uns im Allgemeinen gut verstanden.

Worüber ich hier schreiben wollte ist weniger erfreulich, aber ich muss mir das mal von der Seele tippen. Mein Kollege hatte seit Jahren Probleme mit seinem Darm. Die Probleme die er damit hatte sind inzwischen mitsamt Darm entsorgt. Leider blieben Teile des Krebses zurück von dem Niemand etwas wusste und mergeln ihn aus. Er kämpft inzwischen gute zweieinhalb Jahre damit. Wobei die Krebsdiagnose erst ein knappes Jahr alt ist, vorher hat man ihm noch vorgeworfen, ein Simulant zu sein, selbst Ärzte konnten für seine Beschwerden keinerlei Ursache finden und haben ihn seinen Worten nach irgendwann einfach nicht mehr Ernst genommen.

Aber wie ich vorweg genommen hab kam die Diagnose. Der offenbar richtige Zeitpunkt für seine Frau ihm zu sagen, dass sie ihn nicht mehr liebe, er zwar zuhause wohnen bleiben dürfe, sie sich aber nicht weiter mit ihm auseinander setzen würde. Das war schon ein Schock für mich als er mir das vor nem dreiviertel Jahr erzählt hat. Von seinem Sohn, der müsste inzwischen 16 sein, dann auch gleich noch gesagt zu bekommen, ‚er hasse ihn‘ war dann noch n Schlag ins offene Gesicht.

Das alles ist Monate her. Zwischenzeitlich ging es ihm mal besser, mal schlechter. Er war auch immer mal wieder im Büro zum ‚arbeiten‘. Naja. Wirklich arbeiten durfte er nicht, aber geguckt hat er.

Vor Weihnachten wurde es ruhig. Inzwischen wohnt er nicht mehr zuhause sondern in nem Hospitz. Nicht, weil er das wollte sondern weil seine Frau ihn wohl mehr oder weniger an die Luft gesetzt hat. Damit ers auch versteht soll ein Satz gefallen sein, dass er doch wohl nicht vorhabe, vor seinen Kindern zu sterben… 😐

bis dass der Tod euch scheidet

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