Kaffeekrams

Meine Erinnerung beginnt in den frühen Achtziger Jahren. Ich erinnere mich, mit meiner Mutter gemeinsam ein Care- oder besser Westpaket fertig gemacht zu haben. Das enthielt allerlei Dinge, von Kleidung über Zeitschriften, Süßigkeiten bis hin zum Kaffee, viel Kaffee, denn wo das Paket hin sollte gab es den ja nicht oder zumindest nicht genug davon. Wir haben es in die damalige DDR geschickt, weil – so meine Kindheitserinnerung – es den Menschen da nicht so gut ging wie uns und wir ja ruhig sowas machen könnten. Wir hatten keinen konkreten Empfänger, weil wir weder Freunde noch Verwandte jenseits der deutsch-deutschen Grenze hatten.

Etwas mehr darüber zu lesen gibts auf Wikipedia unter Westpaket bzw. Mangelwirtschaft.

Kurz gesagt, meine Erinnerung hinterlässt: In der DDR gabs keinen oder nur ganz wenig Kaffee und deswegen war er dort extrem teuer und ein seltenes Luxusgetränk. Bei uns hingegen wurde er auch schon mal weggeworfen wenn er zu alt und das Aroma verflogen war. O.k. bei uns zu hause nicht, dafür waren meine Eltern viel zu sparsam und hatten zuviel Achtung vor Lebensmitteln.

Und gestern musste ich dann schmunzeln 🙂 Ich habe einen Kollegen, einen ehemaligen Azubi den ich selbst ausgebildet hab. Heute ein (auch und nicht nur von mir) sehr geschätzter Kollege, etwa Mitte zwanzig. Er stammt aus Berlin, dem ehemaligen Ost-Berlin.

Und wie sich jeder inzwischen denken kann wollte er gestern ein nahezu volles Paket Kaffee in den Müll werfen. Der Grund: „Der schmeckt nicht.“ … Pause … „Oder willst du ihn haben?“ Der Mülleimerdeckel war schon offen, ich hab ihn quasi in letzter Sekunde gerettet. Denn auch wenn ich keinen Kaffee mit Koffein trinke, bin ich doch zur Sparsamkeit erzogen worden. Außerdem wirft man intakte Lebensmittel nicht einfach weg.

Es gibt bei uns glücklicherweise keine Ost-West Streitigkeiten – dafür sind wir sicher auch alle n bisschen zu jung, wir verarschen einander höchstens mal, aber das ist in Ordnung und eher harmlos. Aber dieser Moment hat mich innerlich wieder etwas grübelnd gemacht: Wie schnell und intensiv sich Zeiten doch ändern.

3 Kommentare

  1. Als Mittzwanziger muss man ihm jedoch zugestehen, dass er bewusst fast nichts von der DDR mitbekommen haben dürfte (2012 – 25 = Baujahr 1987).Somit ist er eher in der Zeit des Konsums groß geworden, wo die Erwachsenen die Jahre der Mangelwirtschaft aufholen wollten und viel(zu viel) gekauft haben.

  2. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da kostete das Pfund Krönung an die 15 Deutsche Mark!

    Und auch wenn wir heute dem Preis in Euro wieder sehr nahe kommen, Kaffee wurde und wird bei mir im Haus nicht einfach entsorgt!

    Kaffee ist Leben!

    Und wer mir ans Leben gehen will, wird es lernen was es heißt mich als Freund zu haben… :mrgreen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.